Was passiert mit den Frauen im Spital?

Was geschieht mit den Frauen, wenn sie daheim bleiben? Manchmal wird ein Umstand erst deutlich, wenn er im Vergleich mit etwas steht. Daher steht hier der Vergleich einer Geburt zu Hause oder dem Entscheid ins Krankenhaus zu gehen.

 

Die Geburt sehe ich als einen Prozess des Mutter-Werdens, als grosse Initiation in einen neuen Lebensabschnitt. Bereits die Schwangerschaft und im Besonderen die letzten vier Wochen richten alles auf dieses Ereignis aus. Gerne erzähle ich die Geburt anhand eines Beispiels:

 

Eine junge Erstgebärende, ich nenne sie hier Eva, ruft mich eines Morgens an: „Ich glaube, heute geht es los!“ Sie freut sich. Ich gebe ihr ein paar gute Gedanken mit. Den ganzen Tag höre ich nichts mehr von der Frau. Sie ist in der Phase des Abschied-Nehmens. Sie nimmt Abschied von ihrem alten Leben als selbständige, eigenverantwortliche Frau. Das ist nicht etwas, was bewusst geschieht, weil die Vorfreude und Neugier auf das Kommende den Abschied nicht in den Fokus nimmt. Es ist wie das Packen vor einer Reise. Diese Phase hat damit auch etwas Geschäftiges. Eva geht den gewohnten Dingen nach: sie kocht, wäscht, räumt auf, geht spazieren. Es gibt noch keine Extra. Sie weiss, dass sie nicht weg muss. Sie hat alles vorbereitet für die Geburt daheim. Sie muss ihr Haus, ihren Raum nicht verlassen. Sie bleibt in ihrer inneren und äusseren Integrität. Das bringt eine Ruhe, die allen Entfaltungskräften für die Geburt freien Lauf lässt. Die Kontraktionen nehmen im Verlaufe des Tages stetig etwas zu und werden stärker. Aber noch ist es gut handelbar für Eva. Ihr Mann kommt abends wie gewohnt von der Arbeit heim. Er hat sich für den Folgetag frei genommen. Damit ist er frei. Auch wenn seine Frau ihn an diesem Abend noch nicht aktiv braucht. Er beschäftigt sich im Haus.

 

Gegen zehn Uhr abends rufe ich nochmals an. Die Kontraktionen bedürfen nun der Aufmerksamkeit. Ich rate ihr ein Bad zu nehmen und wenn es geht, zu schlafen. Das gelingt ihr. Sie ruft mich gegen vier Uhr an und möchte, dass ich komme. Sie ist von stärkeren Kontraktionen erwacht und muss nun mitatmen. Bei meiner Ankunft ist sie guter Dinge. Die Kontraktionen sind kräftig, lassen Pausen dazwischen. Eva hat rote Backen, das Kindlein drückt sich nach unten. Sie und auch ihr Mann sind froh, dass ich da bin. In der Schulmedizin nennt man diese Phase die Latenzphase. Für mich ist es der Weg in die Hingabe. Die Frau muss sich für die Geburt hingeben. Ihr Körper wird die Führung übernehmen und sie muss vieles von sich loslassen. Dieser Weg ist für die heutigen Frauen nicht einfach. Viele Frauen haben gelernt, ihr Leben unter die Kontrolle des Verstandes zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt kommt Eva noch gut klar. Es hilft ihr, zu wissen, dass ich da bin. Das gibt Sicherheit, Ruhe und Bestätigung in einer Situation, die für sie ungewohnt ist. Das macht etwas aus. Das Wissen, dass die Geburt gesellschaftlich in der heutigen Zeit als etwas Gefährliches, Unberechenbares angeschaut wird, hat eine Wirkung. Auch bei Pärchen, die sich für eine Hausgeburt entschieden haben. Im Ofen brennt ein Feuer. Kerzen brennen. Eine Art Nest, wo das Kindlein ankommen soll, ist vorbereitet. Eva kommt mit der Situation gut zurecht. Ihr Mann unterstützt sie, wenn sie es braucht. Ich leg mich schlafen und werde drei Stunden später vom Mann gerufen. Eva braucht Unterstützung. Die Kontraktionen haben ihren Mut aufgebraucht. Sie ist müde und jammert. Ihr Körper möchte die Führung übernehmen und sie kann noch nicht loslassen. Die Müdigkeit will ihr helfen. Ihr Ärger ist die Kraft, die sich dagegen wehrt. Gutes Zureden und ein Bad helfen ein wenig. Ihr Mann und ich stehen ihr bei, so gut es geht. Wir gehen raus, begrüssen den Tag, spüren den Boden und den Frühling. Eva muss sich übergeben. Wir gehen wieder in die warme Stube und Eva legt sich hin. Ich singe den Tanz der Göttin und in dieser etwas längeren Wehenpause fällt Eva in einen tiefen Schlaf. Darin findet sie den Weg in die Hingabe. Plötzlich braucht Eva uns nicht mehr. Kein Stützen, kein Zuspruch, keine Nähe. Sie ist mit sich, dem Kind und der Geburt. Sie veratmet die Kontraktionen, um sich in den Pausen in die Entspannung zu geben. Es gibt keinen Wiederstand mehr. Die Natur wirkt in ihr! Auch ihr Mann und ich geben uns der Entspannung hin und dösen ein. Wenn die Geburt gut geht, will sie nicht beobachtet werden. Sie braucht ein Umhüllen, etwas Geborgenes. Das macht die Natur und sie bewirkt bei den Menschen, die ihr beiwohnen eine Müdigkeit, ein Schliessen der Augen, damit sie nicht objektivierend betrachten, damit sie nicht mit ihren Gedanken stören, schon gar nicht mit irgendwelchen Aktionen. Daheim, in dem von der Frau vorbereitetem Raum wird etwas Heiliges spürbar, wie ein Himmel: als würde uns das Kind etwas von seiner Welt bringen. Da ist Geborgenheit und Weite. Die Müdigkeit und Gedankenlosigkeit aller lässt den himmlischen Mächten Raum, um zu wirken. Meistens sind einige gute Geister anwesend, die die Geburt wohlwollend begleiten und unterstützen. Man spürt auch die guten Gedanken der Angehörigen. Sobald die Geburt der Aufmerksamkeit bedarf, weil etwas nicht normal läuft, fällt der Himmel zusammen. Das Weite geht weg, um das, was nicht gut ist, zu fokussieren.

 

Als Eva in die Übergangsphase kommt, werden wir alle wieder wach. Die Müdigkeit ist nun wie verflogen. Eva steht auf und muss sich bewegen. Das Drängen ihres Kindes bringt sie in ihre Freude und Kraft. Sie sucht ihre beste Position. Selbstbestimmt bringt sie ihr Kind in ihrem Haus auf die Welt. Ihr Mann in ihrer Nähe und ich als Hebamme im Hintergrund.

 

Geburt ist ein sexueller Akt. Er bedarf eines sicheren Raums. Wenn die Frauen sich nicht sicher fühlen, können sie nicht loslassen. Die meisten von uns wären wohl in ihrer Intimität gestört, wenn sie sich während eines sexuellen Akts beobachtet fühlen. Deshalb braucht es zu den Begleitpersonen einer Geburt ein tragendes Vertrauen.

 

Diese Geburt war mir eine wunderbare Geschichte, weil ich in ihr die Phasen so gut erkennen durfte: die Phase des Abschiedes, der Reise in die Hingabe, die Arbeit der Natur, die Urkraft der Frau und dann das Geboren-Werden der Familie.

 

Und kennen wir nicht alle diese Geschichten aus unserer Kindheit? Erzählen nicht die Märchen immer wieder dasselbe? 1. Reisevorbereitung, Abschied und Aufbruch. 2. Neugier, Ungewissheit, Anstrengung. 3. Hingabe, jetzt und zeitlos. 4. Eine Zusatzkraft. 5. Wunder, Glück, Ankommen

Seitdem erzähle ich die Geburt nicht mehr anhand von Centimetern, Muttermunderöffnung oder von den Positionen des Kindes, sondern vergleiche sie mit einer Geschichte oder Bergtour. Auch da trifft man Vorbereitungen, geht mit Freue an die Sache, merkt dann irgendwann die Anstrengung und findet der Gipfel kommt ja nie näher. Gibt sich dann in den Trott des Schritts hin, bis man dem Gipfel ganz nahe, nochmals eine besondere Energie und Freude erfährt. Die Rückkehr birgt zwar nochmals Anstrengungen, aber sie geht fast wie von selbst, weil man von Glück und Dankbarkeit erfüllt ist.

 

In der Zeit der Hingabe, also da wo nicht mehr der Gipfel oder die Geburt im Blickfeld ist, sondern einfach das Jetzt, da helfen mir ganz einfache Gedanken. Ich bin nicht so, dass ich in schwierigen Situationen an sich öffnende Seerosen denke kann. Ich brauche etwas ganz Einfaches, fast ein wenig lächerlich Wirkendes, damit sich mein Kopf nicht einschaltet. Ich verbinde ein Gedanke mit meiner Atmungsbewegung und meiner Körperbewegung (Schritt, Schaukeln, bewusst Atmen). Das kann ganz banal sein, wie: «Eins, zwei, drei und eins zwei drei und…» Bei der Geburt habe ich mir unter den Wehen eine innere Landebahn vorgestellt, wie für ein Flugzeug. Beim Einatmen atme ich zum Kind und mit dem Ausatmen zeige ich ihm die Rutschbahn durch mein Becken. Mit dem Ausatmen gingen tack, tack, tack im Becken ganz viele Lämpchen an, damit das Kind gut sehen konnte, wo und wie es landen soll. So konnte ich das Kind mit meinem Atem begleiten und gleichzeitig konnte ich etwas gegen die Anstrengung tun. Das ständig Gleiche wirkt in mir wie ein Mantra und beruhigt mich, ohne mich zu hypnotisieren.

 

Was passiert nun bei einer Frau, die sich für eine Spitalgeburt entschieden hat?

Eine Frau, die sich für eine Geburt im Spital entschieden hat, bereitet sich anders vor. Sie muss sich keinen Geburtsraum vorbereiten. Sie macht sich vielleicht Gedanken, wie sie etwas von sich mit in den gegebenen Raum bringen will und kann. Es gibt viel mehr Unbekanntes im Spital. Sie macht sich vielleicht Gedanken zu der Betreuung, zu den Interventionen, die kommen können und zu ihren Wünschen. Dabei geht es um ein Hoffen und Bangen, mit Bildern, die das eine oder andere offenbaren. Die Gedanken und Bilder, die man sich wünscht und nicht wünscht, haben eine Wirkung. Vielleicht lässt sie in ihrer Vorstellung die Geburt als Ereignis aus und fixiert sich nur auf das Resultat. Der Mann wird in seiner sonst schon eher „passiven“ Rolle noch weiter nach Hinten gedrängt. Er begleitet zwar seine Frau, aber die ungewohnte Umgebung und die ungewohnte Situation entzieht ihm den Handlungsspielraum und die Sicherheit. Damit kann er nicht die äussere Potenz für seine Frau sein. Diese übernimmt „scheinbar“ das Spital. 

 

Mit dem Beginn der Kontraktionen kann die Frau nicht in sich zur Ruhe kommen, weil der Aufbruch ins Spital im Raum steht. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Anstatt einfach dem Gewohnten nachzugehen, kreisen ihre Gedanken um die Organisation. Sie fängt an, sich selber zu beobachten und verstärkt damit eine Wahrnehmung, die ansonsten vielleicht gar nicht so schlimm wäre. Wenn sie dann in die Phase: Reise in die Hingabe kommt, müssen sie ihr Heim verlassen, sich auf den Weg machen um an einem fremden Ort, als Gast zu gebären. Was macht das Fremd-Sein mit uns? Und was macht es in einer Phase, wo es um das Sich-Vertrauen, Sich-Loslassen geht, in einer Phase, die neu ist und ungewohnt? Die Frauen ziehen etwas von sich in sich zurück. Damit geben sie Platz für anderes. (Auf dieses Andere komme ich noch.) Auch wenn das Ankommen im Spital auch etwas Beruhigendes haben kann: am richtigen Ort zu sein, ankommen zu dürfen und in einer Sicherheit sein. Das Ankommen im Spital bringt auch ein Gedanke mit: da können sie mir helfen. Die Möglichkeiten, die die moderne Geburtshilfe bietet, verändern in den Frauen die Erwartungshaltung und die eigenen Ansprüche. Sie können aufgeben, wenn sie nicht mehr können. Wenn die Frauen diese Wahl nicht haben, z. B. in einem Entwicklungsland oder früher, mussten sie einen Schritt weiter gehen. Vielleicht kann dieser Schritt helfen neue Räume aufzutun und ungeahnte Kräfte zu ermöglichen. Es geht nicht darum, dass Frauen leiden müssen. Der Schmerz, das Leid oder die Enge, lässt uns neue Wege suchen, ausprobieren und Neues entdecken. Der Gedanke, dass ich etwas nicht aushalten muss, kann zu früh zum Aufgeben verleiten. Die Frauen verlieren damit eine Art Selbstbestimmung und verfallen in ein Jammern und Klagen. Und wenn man die Frauen nicht kennt, kann man als Betreuende diesen Zustand nicht immer einordnen. Jammert jemand, weil er wirklich am Rande seiner Kräfte ist oder weil er seine erste Grenze erreicht hat? Und wir wissen nicht, kommt diese erste Grenze so früh, weil die innere Sicherheit durch äussere Verunsicherungen zu eng geworden ist? Viele Frauen kommen im Spital in die Phase der Hingabe. Da müssen sie selber suchen, was ihnen helfen kann. Das Rundherum kann Anreize schaffen. Aber es ist ihr ganz eigener Weg. Da sehe ich Geburt als Prozess. Bei den Frauen, die ins Spital gehen, erlebe ich oft eine grosse Toleranz gegenüber dem, was auf sie zukommt. Sie sind offen und weniger enttäuscht, wenn es nicht so geht, wie sie es sich vorgestellt haben. Das ist zum einen ein Vorteil zum andern, eine Einladung der Kräfte die um sie wirken. Und hier kommen wir zu all dem, was eben auch auf die Frau, Kinder und Familien wirkt. Verbinden wir das Krankenhaus mit einem geborgenen Ort, der wie ein Nest Sicherheit bietet, um darin in Ruhe und Ungestörtheit gebären zu können? Wirkt das Fachpersonal so ermutigend, dass man in sich die Sicherheit finden kann, es selber zu schaffen oder wirkt es für alle Belange der Geburt besser wissend? Diese betreuenden Fachkräfte trage in sich gute und schlechte Erfahrungen, die sie mit Geburtshilfe gemacht haben (im Spital mehr schlechte). Sie sind nicht nur für eine Frau zuständig, sondern haben im Hinterkopf immer noch die anderen zu betreuenden Frauen und Geschichten, dazu kommen Zeitknappheit, Personalmangel, Leistungsdruck, finanzielle Aspekte und vieles mehr. Selten können sie sich die Ruhe nehmen für eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Damit bringen sie nicht die Ruhe mit, die auf das Geburtsgeschehen wirken kann. Alle Geräte, die für die Kontrollen gebraucht werden, haben genau die Wirkung, für die sie gedacht und erfunden wurden: für die Kontrolle, die Objektivierung, die Überwachung und die Beweiserbringung. Selbst das Gebärbett ist genau für einen Zweck mittig im Raum, höhenverstellbar und zum schnellen Eingreifen der Geburtshelfer gedacht. All diese Dinge scheinen auf den ersten Blick sinnvoll, notwendig und helfend. Aber sie laden damit, das was in unseren Köpfen als Vorstellung damit verbunden ist, ein und haben damit diese Wirkung auf das Geburtsgeschehen. Wenn nun die Frau nicht bei sich bleiben kann, offen ist für alle Möglichkeiten, in sich nicht geschützt, mit dem Gedanken, die andern werden mir helfen, fangen all diese Kräfte in ihr an zu wirken und ziehen weitere ähnliche Kräfte an. Der Körper der Frau wird hart und verspannt, die Wehen damit umso stärker. Die Verbindung zum Kind wird damit unterbrochen und dieses zieht sich in Unsicherheit zurück. So wird die Geburtshilfe aktiv und sieht sich in ihren Handlungen bestätigt. Die Geburt als Prozess, der in einem geheimnisvollen Innenraum (im Innern des Körpers, der Psyche und des Unterbewussten der Frau) vorgesehen war, wird in ein Rampenlicht, in ein Aussen gezerrt, entzaubert und damit gestört.

 

Was kann dem entgegenwirken?

 

Sicher ist die Hausgeburtshilfe eine sehr gute Möglichkeit. Aber dafür braucht es in der Schweiz die nötigen Massnahmen wie mehr Hebammen, bessere Bezahlung und gesellschaftliche Akzeptanz. Damit das gelingen kann, müssten die Gynäkologen und Ärzte diese Form von Geburtshilfe befürworten und den Frauen diese Form von Geburtshilfe ans Herz legen. Solange das nicht geschieht, die Politik nichts an ihrer Strategie ändert, wird sich wenig ändern. Wie ich mir das vorstelle: Gynäkologen informieren die Frauen so objektiv wie möglich über den Geburtsort, zum Beispiel mit Zahlen (die Hausgeburt bringt am wenigsten Komplikationen mit sich), mit Vor- und Nachteilen. Die Politik könnte die Hausgeburt unterstützen, indem sie z. B. über die Frauengesundheit (Zufriedenheit und geringste Interventionsrate bei der Hausgeburtshilfe) und über die Kosten Gesetzte erlässt (die KK haben die Aufgabe das günstigste Modell zu fördern). Sie fördern damit die Salutophysiologie (die Gesundheit)

 

Im Spital wird die hebammengeleitete Geburtshilfe gefördert. Die gebärenden Frauen haben die Schlüsselgewalt. Damit kriegen sie mehr Eigenverantwortung. Ein Gebärraum wird so eingerichtet, dass er auf die Sicherheit der Frau förderlich wirkt, z. B. ein runder Raum. Alle medizinischen Überwachungen bleiben draussen und werden nur genutzt, wenn die Frau die Physiologie verlässt. Das bedeutet, dass auch die Hebammen die Physiologie gut kennen. Die räumliche Nähe zum Spital mit all seinen medizinischen Möglichkeiten reichen, um im Notfall eingreifen zu können. Es braucht keine vorgänigen Absicherungen, wie z. B. ein venöser Zugang.

 

Die Förderung der Hausgeburt bringt die Frauen in ihre eigene Aktivität, ihre Eigenverantwortung, in ihre Kompetenz und gibt ihr etwas zurück, was ihr die Schulmedizin genommen hat.

 

Wir können unser Denken wandeln. Wir können die Frauen zu Expertinnen ihrer selbst machen. Was möchte eine Gebärende wirklich? Was braucht sie, um in ihrer Kraft bleiben zu können? Was braucht sie, damit ihrer Integrität geschützt bleibt? Wie können wir sie darin unterstützen? Wo bleibt sie handlungsfähig und Expertin für sich selber und ihr Kind? Wir können sie fragen! Und sie dann ihrem Wunsch gemäss beraten. Wie viele Frauen wollen eigentlich normal gebären, setzen sich jedoch alleine durch die Wahl des Geburtsortes einer massiv erhöhten Interventionsrate aus? Sie denken, das sei normal und gehöre dazu. Sie wurden nicht informiert. Andererseits einen Weg zu gehen, der abseits der gesellschaftlichen Norm liegt (nur 2-4% aller Frauen gebären in der Schweiz ausserklinisch), ist gerade für schwangere Frauen, die eigentlich den gesellschaftlichen Schutz brauchen ein enormer Willensakt. Deshalb ist es so wichtig, die Mehrzahl der Fachpersonen, welche Schwangere betreuen, ins Boot zu holen.

 

Frauen zu Expertinnen machen für sich, ihre Körperlichkeit und für ihr Kind, ist eine Ermächtigung! Es geht nicht primär um die Kontrolle. Sie ist die, die das Kind spürt und ihm den Platz zum Wachsen gibt. Wir können sie in ihrem Spüren und Fühlen bestärken, ihr den Kontakt zum Kind aufzeigen, sie ihre Schöpferkraft bewusstwerden lassen, sie so informieren, dass sie immer die Wahl hat und eigenverantwortlich für sich und ihr Kind bleiben kann. Das entlastet auch uns in unserem forensischen Sicherheitsdenken. Gleichzeitig erziehen wir zur Gesundheit, laden diese ein und richten einen anderen Fokus.

 

Von Barbara Stemmler

© Text und Bild

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